Warum Regenwürmer?

Ein Probeleser des Stückes fragte mich, wie ich auf Regenwürmer gekommen sei. Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht. Aber ich habe gute Gründe gefunden, die Regenwürmer im Text zu behalten. 
Einerseits habe ich tatsächlich einmal im Balkonkasten Regenwürmer gefunden. Während des Lock-downs fehlte mir, wie wahrscheinlich vielen Städtern, ein Garten. Die Blumenkästen wurden dadurch noch wichtiger.
Andererseits nutzt Willard Gaylin Regenwürmer, um Freuds Triebtheorie zu widerlegen. Wenn Sexualität die Haupttriebfeder menschlichen Handelns wäre, wäre der Mensch gebaut wie ein Regenwurm: Mit einem anderen Geschlecht am jeweils anderen Ende, so dass sich der Regenwurm mit jedem anderen Regenwurm oder zur Not auch mit sich selbst paaren kann. Ich finde diese Beweisführung amüsant genug, um den Regenwurm als Symbol der Sexualität

Helene	Und was essen wir jetzt?
Nicolas versucht zu antworten. Helene läuft auf und ab. Dabei verteilt sie Spuren der übergekochten Weizenkörner.
Nicolas	Regenwürmer.
Helene	Nie im Leben.
Nicolas	Dann schlag etwas anderes vor.
Helene	So schlimm ist es auch noch gar 
                nicht. Ich halte das schon aus.
Nicolas	Wir könnten sie auf dem 
                Lampenschirm rösten.
Helene	Nein.
Nicolas	Dann mach ich das eben alleine.
Stille.
Helene 	Wir waren Vegetarier.
Nicolas	Wie kommst du darauf?
Helene 	Wir können keine Regenwürmer 
                essen.
Nicolas	Ich war gegen Massentierhaltung. 
                Regenwürmer aus Massen-
                tierhaltung gibt es nicht.
Helene	Musst Du immer recht haben?
(...)

Psychological Safety or Competition?

This blog post about Psychological Safety and Improv really spoke to what I have experienced a lot with my theatre work. Looking back at times at university, I would even say that the full first year was just about getting ourselves settled with ourselves and with others. Don't hold me accountable for this number, the point I am trying to make is, that it is a lot of work to really get there.

For me, the big struggle was less to trust my fellow students in the moment, but it was the fact that there we were - 12 bright, talented students. Who of us would get one of the limited jobs after university? Today, I have a term for this - it is called a fixed mindset. Back than, I called it competition. Were we not meant to compete with each other?

I tried to appease myself, I tried to ignore this question. But it stuck there, and from the rivalries I saw flaring up during all these years, I assume, I was not the only one.

After university, I did not get a job at a fancy theatre. I was facing unconscious and conscious biases. I had short, brown hair and did not look, nor move, nor speak like someone, who just conquered Walhalla (German site for heros). It was brutal to go through this. Because I knew exactly, that it was not about me or my abilities. It was about pre-conceptions of others. I had to learn that theatre was not the place where all social norms were at disposition, but that it worked along those norms and re-inforced them as well. 

But, with this experience, I was able to let go of the rivalry, completely. Because I started being OK with not conquering Walhalla. I did not dye my hair to blond. Instead, I kept looking for people, who were not searching for the next conqueress. Or for someone to complement the conqueress. And I did find them. 

I have learned to embrace that every person is unique. There is a place for the conqueress and there is a place for me. Neither of us will always have the streets paved with gold or always find open arms with all ideas that we have. 

This led to the biggest win in psychological safety I could get. Safety within myself.

		

Eigenleben

Musik hilft mir, den Figuren eine Stimme zu geben. Der Monolog von Helene, der hier zu lesen ist, ist als erstes entstanden. Um eine Gegenstimme von Nicolas zu finden, hilft mir die Musik von Asaf Avidan sehr weiter.

Fast so wichtig wie das Schreiben, ist das Zuhören. Ich verbringe viel Zeit damit, mir eine Liste von Musiktiteln zusammenzustellen und diese wieder und wieder anzuhören. Manche Musikstücke helfen mir, die Perspektiven von den Protagonisten zu erspüren. Manche helfen mir mit dem Rythmus oder den Übergängen. Das Schöne daran ist auch, dass ich mich auch dann mit dem Stück beschäftigen kann, wenn es meine Zeit eigentlich nicht erlaubt. Die Musik nimmt mich nicht kognitiv in Anspruch, sondern unterfüttert die Emotionen.

Helene 		Und dann kannst du plötzlich nicht mehr 
                        anders. Als ob alles Verständnis auf einmal 
                        aufgebraucht wäre. Du weisst selbst nicht, 
                        wie das sein kann. Wo ist deine Würde 
                        geblieben? Du siehst, dass all das, was du 
                        hingenommen hast, weil du dachtest, dass es 
                        schon werden wird, dass man Geduld 
                        braucht, dass es einen Sinn hat, das 
                        auszuhalten, dass das eine einzige Lüge war. 
                        Mehr noch. Dass die Luft zu knapp zum 
                        Atmen wird für zwei Menschen, die jeweils 
                       die Lufthoheit über den Raum beanspruchen, 
                       der einmal gemeinsam war. Der Misthaufen, 
                       der Sammlung oder Kunst oder Teil einer 
                       Installation genannt wurde, wird wieder zum 
                       Misthaufen. (...) Es kratzt dich im Hals. Du 
                       räusperst dich. Und dann passiert, womit du 
                      nicht gerechnet hast. Der andere schnappt 
                      nach dir. Wegen einem Räuspern. Mit Worten 
                      schnappt er nach dir. Du darfst dich nicht 
                      einmal Räuspern. Du willst beschwichtigen, zu 
                      lächerlich ist die Sachlage, aber deine Worte 
                      kommen lauter aus deinem Mund, als du es 
                      willst. Der andere schreit. Du schreist. Weil du 
                      nicht gehört wirst, weil es doch, verdammt 
                      noch mal, nicht um dem Misthaufen geht, 
                      sondern darum, dass du hier einfach 
                      unterlegen bist, dass du nicht ausreden 
                      kannst, dass du nicht die richtigen Worte 
                      findest, ja, die Worte, die du mühselig 
                      zusammengeklaubt hast, werden vom anderen 
                      in der Luft zerfetzt und es prasseln auf dich 
                      Wortsalven und du kommst gegen das 
                      Trommelfeuer der fremden Logik nicht an und 
                      findest in den eigenen Worten keine Deckung. 
                      Und dann schmeißt du etwas auf den Boden. 
                      Ein Zeichen nur, dein Widerstand, um nicht 
                      überrannt zu werden. Aber die Wortsalven 
                      werden heftiger. Du greifst den nächsten 
                      Gegenstand und schleuderst sie dem anderen 
                      an den Kopf. Knapp neben den Kopf. Du 
                      erwartest Ruhe, damit du dich endlich erklären 
                      kannst, aber stattdessen ist der andere zum 
                      Nahkampf übergegangen. Sein Mittel der Wahl 
                      ist ein Bajonett mit scharfer Lanze oben dran 
                      und damit rückt er dir auf den Leib. Du siehst 
                      die Klinge vor deinem Gesicht und rastest aus. 
                      Du wühlst dich durch alles, was du finden 
                      kannst, suchst Deckung, suchst Halt, Trost in 
                      dieser Unmöglichkeit, in der du doch 
                      eigentlich gar nicht sein kannst, aber der 
                      andere kennt dich zu gut, er hat deine Fährte 
                      gewittert, folgt dir auf dem Fuss, jeder Winkel 
                      ist nur ein Hinterhalt und du, du, du kannst 
                     nicht anders, du haust ihm das Bajonett aus der 
                     Hand und da kommst du zur Besinnung, weil 
                     deine Haut auf seine Haut trifft, aber da ist es 
                     zu spät. Du schwörst, dass es dir leid tut, dass 
                     du das nicht wolltest, aber du hast den 
                     Höllenhund im anderen geweckt und er springt 
                     dir entgegen und du hältst dir den eigenen 
                     Kopf, damit er in dieser Schlacht nicht davon 
                     getragen wird.

How do You Know, What to Choose?

Check out https://zrm.ch/ for more information on the Zurich Resource Model (ZRM) and some pictures in the online tool section. I value this model, because it suggests to identify a bigger goal that you can emotionally subscribe to, instead of going through decision-making as a cognitive task.
A friend of mine asked me recently, how to help a third person with a decision about a career change. In essence, the third person was unhappy about the last career move, he had made, which made him relocate but did not return, what he was hoping for. Now, he was thinking about relocating again, but did not know where to, or what company to look for.

A couple of things occured to me and I will switch away from the third person and talk about myself, to make things easier. First of all, I find it very important to identify a positive goal that attracts me, instead of just looking at the things that I do not want anymore. When I decided that I wanted to study acting, I went through many auditions and finally ended up in Berne, Switzerland. There were times, when I was not happy about living in Berne. I did not know anybody outside of university and the Performing Arts department is small (about 48 students for all 4 levels). But I always knew, why I was there, and this made me get through the tougher parts. 
Secondly, if a decision turned out to be disappointing, I find it important not to rush to the next one. I was working for a theatre in Eisleben, which was on the verge of being closed. My partner was working for one in Switzerland. As it goes in theatre, you don't really get weekends off, so we were not seeing each other for weeks. When the next job offer came up, I was examining the various voices. The one advocating to take the job, pleaded for money. I eventually turned it down, and had to live with the negative impact on my finances.
There is also something to say about timing. I find it sometimes difficult not to blame myself for being quicker with decisions, but I have learned to look closer, and understand the reasons for my hesitation. Again, it is tough to just persist, but the best change comes with time to my experience.
Thirdly, sometimes a change is more than you can manage. Relocating, new job, new relationships - all of this needs some confidence to master the situation. Being realistic about my personal situation and my emotional balance is probably the hardest part for me. I love streched assignments, as they push me into an unknown area of growth and make me see new capabilities that I did not think I had. But I have come to realize if I cannot trace any excitement in my emotions, it is not the right thing.

Long story short: Any decision with career or life will at some point put some pain points forward. I am enthusiastic person, so remembering what I was enthusiastic about, when I took the decision helps me get through adversities. Also, I have come to value the time that it takes me to arrive at a decision. If something asks me to rush and I don't feel ready - it is not my cup of tea.

Worum geht es?

Wenn ich sage, ich schreibe an einem Stück, kommt unweigerlich die Frage, worum es geht. Ich zucke dann innerlich ein bisschen zusammen. Wenn ich von vornherein genau wüsste, worum es geht, müsste ich mich ja nicht durch den Schreibprozess quälen. 

Um den Frager nicht leer ausgehen zu lassen ohne mich zu weit hinauszulassen, nenne ich dann den Arbeitstitel. Der heisst für die Geschichte von Helene und Nicolas Der Zerfall des Wirs oder Ausflug zum Rand der Gesellschaft. 

Der Arbeitstitel ist so etwas wie mein persönlicher Kompass auf dieser Reise. Das ist sein Zweck. Der endgültige Titel, mit dem ich mich am Ende beschäftigen muss, hat einen anderen Zweck. Der endgültige Titel richtet sich an das Publikum und soll dessen Neugier reizen.

Aber nochmal zurück zur Frage: Worum geht es? Natürlich hatte ich in der Vergangenheit auch mal die Vorstellung, dass man sich eine Handlung ausdenkt, und dann diese ausgestaltet. Das mag für manchen Autor auch funktionieren. Für mich funktioniert es nicht. Ich vergleiche das mal mit dem Malen: manche finden Ausmalbilder meditativ. Ich war darin noch nie besonders gut und irgendwann kommt unweigerlich der Punkt, an dem ich mich langweile und bleiben lasse. Deswegen bitte ich den Frager immer um Nachsicht, dass ich das mit der Handlung nicht so genau beantworten kann.
Bei einer Baustelle fragt selten jemand, worum es geht. Was gebaut wird, fragt man schon eher.

Gold

so wie die blume
weiß, klein, zart
in der asphaltritze
schwarz, kalt, hart

so wie das sternenlicht
durch dunkle wolken bricht

so wie der mond erhellt
was einem nachts alles fehl

so kehre ich ein in die stille
und finde im schmerz die fülle

Status

My colleagues at work as well as former training participants have found the concept of status insightful to understand some interactions they were struggeling with. 

Status is used a lot in theatre. It may overlap with hierarchy, but it is not the same.
So what do I mean with status? It is a very volatile position of perceived power in a given situation. Typically, we differentiate between high status and low status. However, this differentiation may be misleading, as the high and low are never fixed, but always in relation to one another. Maybe it would be more accurate to talk of higher and lower status, but the convention runs differently.
In a high status, the person will typically use more space, speak longer, louder, or to the very extreme, is not afraid of pauses or staring others down. In a low status, the person will rather stay in the background, speak less, avoid eye-contact, may use a lot of fillers or make themselves physically smaller, by crossing legs, crossing arms, bending the head. I suppose you have some pictures in your head, as you read this. 
The benefit of the higher status is more power, the benefit of a lower status is more sympathy and shelter.

The tricky thing is that status gets negotiated non-verbally. This is why people may fight, while the argument is not at all about the subject they are talking about. Imagine two people, who each want to assume a higher status over the other. But it goes the other way around as well, which is typically less obvious. Two people may compete over the lower status. Think of an everyday dialogue in front of a door which goes like "You go first", "No, you go first". 

In theatre, status can be used to create tension. The audience tends to hold the breath, when hierarchy and status do not match, for example with the king, who behaves like a servant and the servant, who behaves like a king. At some point, this tension needs to be resolved, if you don't want your audience to get frustrated. The other element of tension with status, is when the status of a person switches. This means that the person in the high-status gets to be in the low status and vice versa. The example to the right highlights such a situation.

Recently, I have found some research on the topic, and I am glad that science is now onto this as well. One piece of research said, that status negotiation is not unique to human beings, but a lot of animals negotiate their status - who gets to eat first, who is the leader of the group etc. True.

Why do colleagues find this so helpful? Firstly it sheds light on some interactions they find difficult to understand. Secondly, as they become conscious of this dynamic, a space for cognitive decision opens up: Do I take part in this? Am I OK to leave this position to the other? If not, what can I do to assume my position? Some people said that being aware of this concept helped them to detach themselves from the expectation to react in a certain way. They started to look at it as a kind of game or dance and were able to vary their own behavior.
Status switch:

About a year ago, I was sitting at a bus stop. I was exhausted. For the last ten days, I had been taking my son to kindergarten to get him settled in. He did not take it particularly well and I found the level of noise at the kindergarten demanding. While I have always been appreciative of the work of nursery and primary teachers, after those days, I was bowing my head to them.
A man, a drunkard, walked up to me and asked for money. (Note on the status: him low status, me high status). I was so exhausted, I could not have given anything to to anybody, so I said no. The man looked me up and down and paused for a moment. I expected him to leave, but he did not. (note: this is the moment the status switched)
Then he said with some pride in his voice: "At least, I have managed to get drunk today". It was, as if he was sharing his key to success with me. (Note on the status: him high status, me low status). Of course, getting actually drunk, is not an easy task for an alcoholic.
He smiled at me and trailed off. And I felt better, too. Because I gave him something, I could not have given with money. I gave him the opportunity to feel good about himself. 

Verankern der Geschichte – der Chor

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum ich mich für einen Chor in der Geschichte von Nicolas und Helene entschieden habe. Einerseits kann ich so die Umstände des Geschehens porträtieren (ein extremer Lock-down). Andererseits kann ich so die Mehrheitsgesellschaft mit einbeziehen. Diese nimmt nur begrenzt wahr, was bei einzelnen Mitgliedern vorgeht, aber durchläuft dadurch auch als Gruppe eine Veränderung. Anfangs sehr aufmerksam und einsatzbereit, wird der Chor mit der Zeit immer lethargischer. Ich vermute, dass es nach der Lethargie noch weitergeht, aber so weit bin ich noch nicht.
Der nebenstehende Ausschnitt findet sich aktuell etwas nach der ersten Hälfte der Geschichte.
Das Licht glimmt herunter. Ein Geräusch wie Regen setzt ein. Klorollen fallen auf die Bühne. Die Chormitglieder springen auf und horten Klorollen. Sie bauen sich Rettungsringe und Taucherbrillen aus Klorollen.
Chor		Die Welle setzt an. Wir sollten Täler zählen 
                        auf dem Weg zum nächsten Tauchgang. 
                        Pocht das Herz, man atmet sich aus, atmet 
                        ein den Mundgeruch des eigenen Seins, kann 
                        nicht sein, nicht wir stinken hier, wir 
                        ersticken, gefiltert die Luft, die Laute leise, 
                        nein, Gerüche kreisen zwischen Mund und 
                        Nase, Nase und Mund, Kondenswasser tropft 
                        auf das Kinn, kein Nasensekret, kein Alarm
                        gegeben, zu oft, zu schnell, zu langsam, das
                        Herz pumpt sich weg, löffelt Sand, baggert
                        Schaufelgraben, nein, Sandschaufeln, 
                        Schaufelhaufen, den Berg aufhaufen. Hol die 
                        Monstranz raus, Weihwasser auch, wir haben    
                        alles zum Leichenschmaus unserer selbst, wer 
                        wir einst waren, kehrt nicht zurück. Die 
                        Stunde schlägt schwer an, das Pendel 
                        zerdrückt die Hoffnung auf Freiheit im 
                        Minutenglück. Wir wissen selbst nicht, was 
                        wir sagen, was wir sagen sollen, nein, wissen 
                        wir nicht. Doch wir geben den Ton an, laut 
                        und klar. Kammerton A.

Die verflixte Zahl 3

(...)
Nicolas		Was zählst du gerade?
Helene		Tu ich das?
Nicolas		Gib es doch zu.
Helene		Nein. Ich glaube nicht, dass ich zähle.
Nicolas		Es macht mich wahnsinnig, wenn du zählst.
Helene		Aber wenn ich es gar nicht tue?
Nicolas		Dann ist es ja gut!
Stille.
Helene		Ich bin müde.
Nicolas		Dann leg dich hin.
Helene		Kannst du...
Nicolas		Ich muss nachdenken.
Helene		Gute Nacht.
Helene zieht eine Matratze aus dem Haufen mit Matratzen und legt sie obendrauf über das leere Geschirr des Tages. Helene legt sich drauf.
Helene		Mach nicht zu lange.
Nicolas		Nein, ich komme bald.
Helene		Gute Nacht.

II. Unsere Albträume wachen über uns.
Das Licht geht aus, ausser bei Nicolas, der bei einer Schreibtischlampe sitzt. Die Chormitglieder machen einzeln Glühlampen an.
Chor:		Wir sehen das Licht. Es brennt die ganze      
                         Nacht. Durchs Fenster sehen wir dich. Wir        
                         wünschten, du hieltest Wacht gegen die 
                         Geisterstimmen der Nacht. Aber du scheinst 
                         taub. Du brütest vor dich hin. Was quält 
                         dich?
Chorführerin:    Wir wissen es doch.
Chor:		Aus Nähe wird Enge, Beklemmung, die Luft 
                        wird dünn. Zu oft haben wir das schon 
                        gesehen. Schau auf, wir sind hier, wir helfen 
                        dir! 
Chorführerin:    Zu spät.
Chor:		Verrennt sich, verfängt sich im Spinnennetz 
                        seiner Gedanken, laicht sich ein, wie leicht es 
                        wäre, sich zu befreien, wenn er mit anderen, 
                        mit uns – nur ein Gespräch, Nachbar! Nein, er 
                        leckt seine Wunden, zählt seine Stunden, 
                        fragt sich, wann diese Art Leben eigentlich 
                        begann.
(...)
III. Solange man noch weg kann
Helene richtet sich auf der Matratze auf.
Helene		Hast du wirklich Regenwürmer gegessen?
Nicolas		Noch nicht.
Helene		Da bin ich froh.
Nicolas		Ich kann nicht mehr klar denken.
Helene		Warme Gedanken wären fein.
Im Sprichwort sagt man "Aller guten Dinge sind drei". Im Theater gilt diese Regel, um etwas zu etablieren. Wenn etwas einmal geschieht, dann gibt es keine Erwartungen. Wenn aber etwas zwei Mal geschieht, wartet das Publikum darauf, dass es noch ein drittes Mal geschieht. Bei zwei darf ich also nicht stehen bleiben.
An dem Text neben dran legt sich Helene zum ersten Mal schlafen. Ich würde sie gerne nochmals schlafen lassen (später), weil mir der Morgen als Anlauf für einen neuen Verständigungsversuch so gut gefällt. Allerdings kämpfe ich mit dem Gesetz der drei. Wenn ich Helene nochmal schlafen schicke, muss ich sie auch ein drittes Mal schlafen schicken, sonst wackelt die Architektur. Wenn ich sie aber dreimal schlafen schicke, kommt mir das vor, als ob ich eine Ehrenrunde einlege. Wahrscheinlich wird die Gute nur einmal schlafen dürfen.