Galgengedicht

den strick knüpf ich
kein henker bestellt
am richtplatz allein

krähen wehen nah heran
nebelschwaden wabern
kalt ist es da

meine hände die frieren
schon platzt meine haut
an knöcheln und kuppen auf

nass das gesicht
wovon
ich weiss es nicht

wer wird mich richten?
der vater, der sohn?
nein, der geist, der in uns wohnt

verloren ist sein heiligenschein
weil ich hier bin
so mutterseelenallein

und richte mir auf
den galgenstein
weil ich nicht lernte
ich selbst zu sein

Bregenzer Wald

Man geht in den Wald um Holz zu sammeln, man geht in den Wald um Bäume zu fällen. Man hat das immer schon gemacht. Man wird dafür bezahlt, dass man Bäume fällt. Und man bezahlt selbst dafür. Beim Nenne hat der Wald drei Finger verlangt. Beim Vater war es das Leben. 
Der Wald merkt sich alles. Der Nenne hat mir die Jahresringe von einem einzigen Baumstamm gezeigt. Er hat mir erzählt, was der Baum alles erlebt hat. Sogar vom Krieg hat der Baum gewusst. Alle Bäume zusammen wissen mehr als ein einzelner Baum. Sie kennen jeden, der in den Wald hinein geht. Sie wissen, wer wildert. Sie wissen, wer Bäume fällt. Sie kennen die ganze Familie. 

Ins Bett gehen ist gefährlich wegen dem Wald. Wenn das Licht aus ist, wuchert er. Die Dielen schlagen aus, werfen Wurzeln auf den Boden. Das Holz an der Wand streckt Äste aus, die sich über das Bett beugen. Es ist besser nicht zu schlafen in der Nacht. Man hört die Stiegen knarren und das Brennholz im Ofen durch den Kamin krachen, aber so lange man die Augen auf hat, passiert einem nichts. Der Michel schläft nur ein paar Schritte weiter im anderen Bett. Er ist blind und taub für den Wald. Er lässt sich nichts erzählen. Wie denn alles bis zum morgen wieder genauso aussehen könnte, wie vor dem Schlafengehen, fragt er mich. Darauf gibt es keine gute Antwort, außer dass der Wald eben auch schlau ist. Wenn man etwas sehen würde, würde man sich an ihm rächen, das weiß er doch.
As I am close to the Bregenzer Wald right now, I was reminded of this story of a person that I used to know. He was a from these woods, a carpenter, working in theatre. I always wanted to portray him in a story, but this piece is the only part that I consider giving him justice so far.
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unverhofft

ganz unverhofft
bin ich erwacht
der sonne licht
rief mich
flach, voll und warm
so, wie ich es einst schon sah
vor steigenden regenwolken
ein schlaglicht
eine sonne die aufgeht
scheint mir ins gesicht
This picture is not from the same morning, but the colour is approximately the same. I seem to either take pictures or write, but not do both on the same occasion.

ausbruch

wie der sonnenstrahl
durch die wolken bricht
finden wir uns
im wintergelicht
am aalglatten hang

ein baum noch steht
vom wind umweht
die krone ganz kahl
die äste fast fahl

zwischen ästen und rinde
flechten wir unsere hände 
und halten uns fest
als wär der baum unser nest

Inspiration

An Answer to Markus Hallinger

I have read this poem from Markus Hallinger in Jahrbuch der Lyrik 2020. What struck me was the contrast between the suggestion to stay very factual with another person and in the process of doing so, already conveying something beyond the words.
bald schon
werde ich
zwischen den zeilen
leben
schweben
tanzen den reih'n
alles was mir
gegeben ist wird
durchschimmernd sein
und wir werden
uns sehen
ganz so wie einst
als wir uns
noch nicht
kannten
nur dachten
schau
da fliegt ein vogel
zum fenster herein

Inspiration

The knowledge project –

Dr. Sue Johnson: Cracking the Code of Love

After listening to this podcast, I wrote the following:

I am calling you, love,
I call for you now
I need your attention
I need you now

But you carry on
Follow your own way
It is OK
Don't worry
I will do the same

Our secret garden in the air
Will disappear into nowhere
All the paths that led us there
Will fall prey to weeds

The birds that sung 
Over our sleepless nights 
Will sing again
You will hear them
And I

And maybe 
At the same time
We will remember the we
That was there
Once in a while