Bregenzer Wald

Man geht in den Wald um Holz zu sammeln, man geht in den Wald um Bäume zu fällen. Man hat das immer schon gemacht. Man wird dafür bezahlt, dass man Bäume fällt. Und man bezahlt selbst dafür. Beim Nenne hat der Wald drei Finger verlangt. Beim Vater war es das Leben. 
Der Wald merkt sich alles. Der Nenne hat mir die Jahresringe von einem einzigen Baumstamm gezeigt. Er hat mir erzählt, was der Baum alles erlebt hat. Sogar vom Krieg hat der Baum gewusst. Alle Bäume zusammen wissen mehr als ein einzelner Baum. Sie kennen jeden, der in den Wald hinein geht. Sie wissen, wer wildert. Sie wissen, wer Bäume fällt. Sie kennen die ganze Familie. 

Ins Bett gehen ist gefährlich wegen dem Wald. Wenn das Licht aus ist, wuchert er. Die Dielen schlagen aus, werfen Wurzeln auf den Boden. Das Holz an der Wand streckt Äste aus, die sich über das Bett beugen. Es ist besser nicht zu schlafen in der Nacht. Man hört die Stiegen knarren und das Brennholz im Ofen durch den Kamin krachen, aber so lange man die Augen auf hat, passiert einem nichts. Der Michel schläft nur ein paar Schritte weiter im anderen Bett. Er ist blind und taub für den Wald. Er lässt sich nichts erzählen. Wie denn alles bis zum morgen wieder genauso aussehen könnte, wie vor dem Schlafengehen, fragt er mich. Darauf gibt es keine gute Antwort, außer dass der Wald eben auch schlau ist. Wenn man etwas sehen würde, würde man sich an ihm rächen, das weiß er doch.
As I am close to the Bregenzer Wald right now, I was reminded of this story of a person that I used to know. He was a from these woods, a carpenter, working in theatre. I always wanted to portray him in a story, but this piece is the only part that I consider giving him justice so far.
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